Paragrafen pauken leicht gemacht

Oliver-Loock Wagner ist Dozent im PR-Masterstudium

Wieso angehende Kommunikationsprofis bei uns Paragrafen pauken müssen? Müssen Sie ja gar nicht! 🙂 Aber rechtliche Fragestellungen berühren die Studenten unserer Masterlehrgänge immer wieder einmal in den Modulen. Oliver Loock-Wagner ist Jurist, Medienberater und Kommunikationsexperte – die ideale Kombination als Dozent für die Modul-Tage zum Thema Recht im Masterlehrgang “PR und Integrierte Kommunikation” (jetzt “Strategische Kommunikation und PR”). Wir haben ihn gefragt, warum für Kommunikatoren grundlegende Kenntnisse des rechtlichen Handlungsrahmens so wichtig sind.

DAPR: Herr Loock-Wagner, müssen die Studenten für Ihr Modul Paragrafen auswendig lernen?

Oliver Loock-Wagner [lacht]: Es müssen keine Paragrafen auswendig gelernt werden. Das ist bei vielen Studenten ein weit verbereiteter Irrtum, sobald Recht gelehrt wird. Ein paar wenige Paragrafen sind unverzichtbar, aber es geht in der Summe darum, den Studenten die rechtlichen Aspekte durch Beispiele, Fälle und Anekdoten zu vermitteln. Nur so ist ein auf Dauer angelegter Lernerfolg möglich. Ideal sind auch immer Fälle zum Schmunzeln. Diese bleiben in Erinnerung! Die klassische Vorlesung ist hier fehl am Platze. Ebenso das Durchzappen endloser Präsentationen. Und wenn es dann mal ein konkreter Paragraf sein muss, lasse ich diesen die Studierenden lesen und verstehen. Denn nur Verstandenes ist auch nach der Vorlesung noch abrufbar.

DAPR: Welche Rechtsthemen behandeln Sie an Ihren Seminartagen, sprich: Welche sind für Kommunikatoren besonders relevant?

Oliver Loock-Wagner: Die zu behandelnden Themen sind von enormer Bandbreite und unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Zu den Klassikern gehört das Urheberrecht und das Recht am eigenen Bild. Aber auch Persönlichkeitsrechte, Haftungsfragen, Social Media-Guidelines, arbeitsrechtliche Aspekte und ausgewählte aktuelle rechtliche Fallstricke, zu denen es möglicherweise eine neue Rechtsprechung gibt.

In meinen Augen ist es auch wichtig, den Studenten die Grundlagen des Verfahrensrechts zu vermitteln. Dann sind Begriffe wie Gegendarstellung, einstweilige Verfügung, Klage und Beweislast keine Unbekannten mehr. Auch trägt dies zum Verständnis des materiellen Rechts bei. Das Bemerkenswerte am Medien- und PR-Recht ist, dass Sie aus einem Jungbrunnen von Themen schöpfen können. Mussten Sie eben noch eine strafrechtliche Verleumdung erkennen, ist im nächsten Augenblick eine Klausel aus einem Lizenzvertrag im Fokus. All das möchte ich meinen Studenten vermitteln, soweit es die Zeit erlaubt.

DAPR: Das klingt ja fast so, als seien Kommunikatoren permanent mit Rechtsfragen beschäftigt… In welchen typischen Situationen im Berufsalltag werden unsere Studenten wohl tatsächlich auf das bei Ihnen erworbene Wissen zugreifen können oder müssen?

Oliver Loock-Wagner: Nun, in der Regel ist die Hoffnung ja die, mit diesen Themen in der Praxis nicht konfrontiert zu werden, keine rechtliche Entscheidungen bzw. Einschätzungen vornehmen zu müssen. Jedoch gilt es beispielsweise bei der Veröffentlichung von redaktionellen Beiträgen rechtssicher zu handeln. Auch in der Online-Kommunikation, der Betreuung der verschiedenen Kanäle, ist bei der Ausübung des virtuellen Hausrechtes Fingerspitzengefühl erforderlich. Die Situationen sind doch sehr vielfältig. Ein Klassiker ist die Verbreitung eines zuvor aufgezeichneten Interviews, welches dem Gespächspartner ad hoc ‘nicht mehr zusagt’. Oder eine vom ‘Medienopfer’ verlangte Gegendarstellung. Des weiteren kann eine unvorhersehbare Abmahnung eines Rechtsanwaltes für Unwohlsein sorgen.

DAPR: Recht ist ja für viele Kommunikatoren nicht das beliebteste Thema. Wie gehen Sie vor, um die Studenten neugierig darauf zu machen und sie möglichst sogar dafür zu begeistern?

Oliver Loock-Wagner: Stimmt, Recht ist – und das zu Unrecht – bei vielen Studierenden und Kommunikatoren nicht sehr beliebt. Das hängt meines Erachtens mit dem unbegründeten Vorurteil zusammen, die Themen seien trocken, ja fast schon angestaubt und vor allem: langweilig. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Interesse und Begeisterung kann ich nur entfachen, wenn ich plastische Fälle, Konstellationen mit realem Bezug und einer konkreten Fragestellung in den Raum stelle, die beantwortet werden wollen. Dies regt zum Nachdenken an, und die Studierenden verlieren die Distanz zu den Themen. Daher hole ich meine Studenten in meinen Vorlesungen zu Beginn gleich mit einem Fall ab: “Stellen Sie sich vor… (…..) … Kann Herr X etwas dagegen unternehmen?” Durch diese Methode komme ich mit ihnen ins Gespräch. Es werden Argumente gehört, so wie es letztendlich bei Gericht auch ist. Ich hatte in den letzten Jahren eine Studentin, welche sich nach meiner Vorlesung für ein Jurastudium entschieden hat. Das mag sehr speziell sein, zeigt aber: Ganz falsch ist der Lehransatz nicht!

Vita

Oliver Loock-Wagner ist Jurist, Kommunikationsmanager, Dipl. Medienberater und Buchautor. Er arbeitet freiberuflich als Berater und Dozent an Hochschulen, Universitäten und anderen Einrichtungen. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen Medienrecht und Tourismusrecht.

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Infos zum Masterstudium

  • Fachrichtungen: “Strategische Kommunikation und PR” sowie “Digitale Kommunikation”.
  • Berufsbegleitend mit Präsenzmodulen in Düsseldorf, 4 Semester.
  • Nächster Start: 06. November 2017.
  • Info-Nachmittag in Düsseldorf am 15. September 2017. > Anmeldung
  • www.dapr.de/master
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