Wieso braucht PR Wissenschaft? – Ein Interview mit Dr. Michael Roither

DAPR-Dozent Dr. Michael Roither (FH Burgenland)

“Dozenten im Porträt” – In  dieser Blog-Rubrik stellen wir unsere Trainer und ihre Fachbereiche vor. Den Anfang macht Dr. Michael Roither, der in der vergangenen Woche im ersten Basismodul der Masterlehrgänge die Einheit “Theorien und Modelle der Kommunikationswissenschaft” unterrichtet hat.

Katja Unali: Bemühen wir ein Klischee zum Einstieg ins Thema: “Du studierst/machst/lehrst PR? Wieso das denn? Kommunizieren kann doch jeder!” Wie oft in Ihrem Leben haben Sie das in der Art von Freunden oder Verwandten gehört?

Michael Roither: (lacht) Ja, das eine oder andere Mal ist mir die Aussage begegnet. Aber eher implizit: Kommunikation wird als zentraler Faktor der Erreichung von Unternehmenszielen, der nicht weniger wichtig ist als Vertrieb, Finanzen oder Recht, noch immer zu wenig wahrgenommen. Jene Unternehmen, die das tun – und das zeigt sich unter anderem in konsistenten Kommunikationsstrategien und der Ansiedelung der Kommunikation auf Vorstandsebene – sind aber klar erfolgreicher. Dazu braucht es aber das richtige Know-how und die entscheidenden Kompetenzen. Praxisnahe Bildung stellt diese bereit – da führt kein Weg daran vorbei. Selbst talentierte KommunikatorInnen tun gut daran, sich den notwendigen Feinschliff zu holen – und damit zu weitsichtigeren, strategischeren, entscheidungssicheren KommunikatorInnen zu werden.

Katja Unali: Sie unterrichten im ersten Basismodul für die sechs Master-Fachvertiefungen die Einheit zu “Theorien und Modelle der Kommunikationswissenschaft”. Wieso braucht PR Wissenschaft?

Michael Roither: Ganz einfach: Weil Wissenschaft den reflektorischen Überbau bildet, der die Kommunikation in der Praxis bereichert – unter anderem mit dem Wissen um kommunikative Abläufe, Dynamiken und Wirkungen. Wissenschaft ist also kein Selbstzweck, sondern ein Innovationsinkubator für die Kommunikationspraxis. Praxisorientierte, theoriegeleitete Reflexion führt letztlich zu den besseren Kommunikationsentscheidungen.

Katja Unali: An nur einem Unterrichtstag lässt sich nicht allzu viel unterbringen, wenn man bedenkt, dass es ganze Studiengänge “Kommunikationswissenschaft” gibt. Können Sie für uns die wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Lehrtag zusammenfassen? Gibt es beispielsweise eine Kommunikationstheorie, ein Kommunikationsmodell, das wirklich jeder PRler verinnerlicht haben sollte?

Michael Roither: (lacht) Na, so einfach ist es nicht. Die eine Theorie, das eine Modell, gibt es nicht – Kommunikationswissenschaft lebt nicht von unumstößlichen Naturgesetzen, sondern von vielen Modellen und theoretischen Ansätzen, die viele Aspekte der gesellschaftlichen Kommunikation erklären und in Summe ein dichtes Gesamtbild ergeben. Das Wissen um zentrale Mechanismen, das Bewusstsein für Abläufe, die Sensibilität für Kommunikation insgesamt, das ist das Ziel des Lehrtages. Wir diskutieren auf Basis eines absolvierten Readings tiefergehend Wirkungsmodelle, Betrachtungsweisen von Kommunikation, zentrale Forschungsfelder – vom Agenda Setting über den Multi-Step-Flow of Communication bis hin zum Uses & Gratifications Approach. Dazu blicken wir auch auf verwandte Disziplinen wie Soziologie oder Psychologie, die eng mit der Kommunikationswissenschaft verbunden sind – vom Knowledge Gap bis zur Theorie der kognitiven Dissonanz.

Katja Unali: An der FH Burgenland leiten Sie seit dem Wintersemester 2015/2016 den Studiengang “Information Medien Kommunikation“. Bringt Sie dies ein Stück weg von den ‘klassischen’ PR Themen, mit denen Sie sich bislang beschäftigt haben?

Michael Roither: Gar nicht. Der Masterstudiengang verfolgt einen ganzheitlichen Kommunikationsansatz mit Fokus auf das Social Web. Die Perspektiven interpersonelle, Organisations- und Massenkommunikation fließen hier gleichermaßen ein. Und sie werden einem Trend gerecht, der im Social Web zu beobachten ist: Die Konvergenz dieser Perspektiven. Beispielsweise waren Marketing und PR noch nie zuvor so stark miteinander verwoben. Eindimensionalität würde hier nicht weiterhelfen – „Information Medien Kommunikation“ verknüpft deshalb tabulos die Ebenen und Perspektiven.

Katja Unali: Herr Dr. Roither, vielen Dank für das Gespräch!

Dr. Michael Roither

Dr. Michael Roither

Vita:
Dr. Michael Roither
leitet seit dem Wintersemester 2015/2016 an der Fachhochschule (FH) Burgenland den Masterstudiengang “Information Medien Kommunikation“. Zuvor war er Leiter des Zentrums für Journalismus und Kommunikatiosmanagement (JoKom) der Donau-Universität Krems.
An der Universität Salzburg hat er ein Magisterstudium der Publizistik, Kommunikationswissenschaft und Soziologie absolviert. Daran knüpfte sein Doktoratsstudium in Journalistik mit Forschungsaufenthalten in New York, London und Glasgow an. Er hat zudem eine Redakteurs-Ausbildung und ist verschiedenen Tätigkeiten im Journalismus und als wissenschaftlicher Mitarbeiter nachgegangen. Dr. Michael Roither ist Dozent und Trainer für Journalistik, PR und kommunikationswissenschaftliche Grundlagen an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen.

 

 

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