Das DPRG-Honorar- und Trendbarometer 2015

DPRG Honorar- und Trendbarometer 2015

Bereits seit 1997 befragt der PR-Berufsverband DPRG regelmäßig Kommunikationsexperten aus Unternehmen, Verbänden und Agenturen und veröffentlicht die Ergebnisse im “Honorar- und Trendbarometer”. Die Ausgabe 2015 wurde – fünf Jahre nach der letzten Untersuchung aus dem Jahr 2010 – kürzlich publiziert. Eine Menge hat sich in diesen fünf Jahren getan – Stichworte aus der Einleitung: “Digitale Kommunikationsmedien und Social Media”, “Echtzeitkommunikation und ständige Verfügbarkeit”; “Die Möglichkeit, dass jeder öffentlich kommuniziert und zum Imageträger und Botschafter des Unternehmens wird.” Klare Herausforderung für die Unternehmenskommunikation insgesamt und die agierenden Kommunikatoren ganz persönlich.

Thomas-Lüdeke-DAPR-Team

Thomas Lüdeke

Wir haben die aktuelle Studie für Euch gelesen und einige der wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst. Ergänzend gibt uns Thomas Lüdeke dazu seine Einschätzungen. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der PRCC Personal- und Unternehmensberatung GmbH. In der DPRG ist er im Bundesvorstand verantwortlich für Weiterbildungs- und Nachwuchsthemen.

Katja Unali: Beim Lesen des aktuellen Trendbarometers bin ich gleich über das erste Ergebnis gestolpert. Die Frage war nach dem Honorarumsatz und der Budgetverteilung über die PR-Instrumente. Ich zitiere: “Wie bereits in den vergangenen Jahren dominiert bei den PR-Instrumenten der befragten Agenturen die klassische Medienarbeit (Pressemitteilungen, -kontakte und -kooperationen) mit einem durchschnittlichen Anteil von 34,4% am Honorarumsatz.” Online-Kommunikation (Newsrooms, Websites, etc.) macht demgegenüber nur einen Anteil von 7,4% aus, Social Media und Digital Relations wurde gesondert abgefragt und kommt auf einen Prozentsatz von 7,1. In den Unternehmen sieht es nicht viel anders aus: Online 8,2%, Social Media und Digital Relations 4,5%. Wir erklärst Du Dir das vor dem Hintergrund der Diskussion um die abnehmende Bedeutung der klassischen Medien?

Thomas Lüdeke: Bis sich in der Branche diskutierte Trends in der Praxis wirklich bemerkbar machen, vergeht doch einige Zeit. Für viele Unternehmen ist die klassische Kommunikation mit den „alten“ Medien nach wie vor wichtig, auch wenn die Verlagerung bzw. das Wachstum im digitalen Bereich sicher klar erkennbar ist.

Katja Unali: Unschärfen scheinen bei der Frage nach der Verteilung von Honoraren und Budgets auf die PR-Aufgabenbereiche (übrigens sind die Media Relations auch hier wieder ganz vorne dabei) entstanden zu sein, konkret bei den Feldern Produkt-PR und Markenkommunikation. Hier wird die These aufgestellt, dass die Befragungsteilnehmer die Bereiche vermischt haben. Ganz grundsätzliche Frage: Wie relevant sind überhaupt diese Fragestellungen, wieso ist es z.B. für den PR-Nachwuchs interessant zu wissen, wie sich Honorare und Budgets verteilen?

Thomas Lüdeke: Diese Indikatoren geben Aufschluss darüber, wie der Status quo wirklich aussieht. Als Young Professional neigt man – so meine Vermutung – noch eher dazu, Trends über- und das klassische Geschäft unterzubewerten. Es ist ständig die Rede davon, wie schnell sich die Welt dreht und sich die Dinge verändern. Auch wenn sich einiges beschleunigt hat: die Praxis im Alltag sieht manchmal noch etwas anders aus. Wer das weiß, ‘erleidet’ zum Start ins Berufsleben einen geringeren Praxisschock.

Katja Unali: Kommen wir zur Frage nach dem Geschäftsverlauf in PR-Agenturen. Die Branche scheint zu boomen, es werden durchweg steigende Auftragszahlen und mehr Kunden gemeldet. Ist die Agentur heute wieder ein sicherer Arbeitsplatz für den Nachwuchs? Erwähnen möchte ich hier allerdings noch ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Die Mitarbeiterzahlen sind im Vergleich zu 2010 weitgehend gleich geblieben (bei 49 % der befragten Agenturen; 36 % gestiegen; 15 % reduziert). Bedeutet das letztlich den Einstieg in einen total stressigen Job?

Thomas Lüdeke: Wenn man der ein oder anderen Studie Glauben schenkt, gehört der Job eines Kommunikationsmanagers tatsächlich zu einem der stressigsten. Aber auch hier gilt: es kommt immer darauf an, was man selbst draus macht und wo man seine persönlichen Grenzen setzt. Positiver Nebeneffekt: Von Langeweile hat mir bisher kaum ein Kandidat etwas berichtet.

Katja Unali: Gefragt wurde auch nach den großen Trends in der PR. Wenig überraschend auf Platz 1 wurden die Hype-Wörter “Content Marketing” und “Storytelling” genannt. Gefreut habe ich mich aber vor allem über die zweite Nennung: “Integrierte Kommunikation”. Bei der DAPR ist das die Master-Fachvertiefung, die am stärksten nachgefragt wird, und es entspricht unserer eigenen ‘PR-Philosophie’. Entsprechen diese Top-Platzierten Deiner eigenen Einschätzung oder identifizierst Du noch ganz andere Trends?

Thomas Lüdeke: Wenn wir über Trends sprechen, sind diese Themen sicher State-of-the-art. Integrierte Kommunikation ist für mich mehr als nur ein Trend. Dass Kommunikation integriert stattfinden sollte, ist nicht neu, aber heute umso relevanter. Vermutlich werden wir im nächsten Trendbarometer einen oder mehrere neue Trends entdecken. Für mich heißt das: wer strategisch und handwerklich absolut sattelfest ist, wird auch keine Probleme haben, sich den immer wieder neu entstehenden Trends anzunehmen.

Katja Unali: Besonders interessant gerade für den PR-Nachwuchs und junge Selbstständige dürften die Erhebungen zu Honoraren und Gehältern sein. Ein Wermutstropfen: Es gab kaum Auskünfte zur Vergütung in Unternehmen, daher fehlen hier die Ergebnisse ganz.

Honorare für Agenturleistungen sind in kleine Agenturen gestiegen, in mittleren und großen gesunken. Beide Werte betreffen vor allem Beratungsleistungen auf den verschiedenen Karrierelevel.

Die in den Agenturen gezahlten Gehälter verzeichnen auf den meisten Karrierelevel und Aufgabenbereichen leichte Anstiege. So liegt ein Juniorberatergehalt z.B. bei durchschnittlich 32.962 Euro im Jahr, ein Seniorberater kommt auf 48.836 Euro, Trainees steigen mit einem Monatsgehalt von 1.641 Euro ein. Leider haben bei der Befragung nur recht wenige Agenturen Angaben gemacht, daher die Frage: Scheinen Dir die genannten Zahlen realistisch? Und hältst Du die gezahlten Gehälter für angemessen, wenn wir z.B. auf die Stichworte “Echtzeitkommunikation” und “ständige Verfügbarkeit” zurückblicken?

Thomas Lüdeke: Gehaltszahlen sind immer so eine Sache, da die Spannen oft weit auseinander gehen. Wir kennen Junioren mit 25.000 Euro genauso wie Einsteiger in Agenturen mit 48.000 Euro Gehalt. Auch spielt eine Spezialisierung eine wichtige Rolle beim Gehalt: Wer spitzer qualifiziert ist, z.B. sich früh auf den Bereich Finanzkommunikation fokussiert, kann meist mehr verlangen, als ein Generalist. Sobald Führungsaufgaben hinzukommen, überholt der Generalist womöglich – aber nicht jeder ist dafür gemacht. Alles in allem: die o.g. Zahlen dürften die aktuelle Angebots-/Nachfragesituation realistisch widerspiegeln. Ständige Verfügbarkeit o.ä. sind – das muss man einfach so feststellen – aktuell kein wirklicher Grund für mehr Gehalt, sondern eher Standard (allerdings oft selbstverantworteter und nicht erzwungener Standard).

Katja Unali: Thomas, vielen Dank für Deine Einschätzungen und Kommentare!

Das vollständige “Honorar- und Trendbarometer 2015” gibt es für DPRG-Mitglieder kostenlos, Nicht-Mitglieder zahlen 45 Euro (Bestellung über die Website). Im DAPR-Seminarzentrum kann das Dokument eingesehen werden.

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